Reisereportage
Zarengold

  • Von Moskau nach Peking
  • Einmaliges Naturerlebnis
Loisirs

2011
Im Zarengold-Zug Kultur erfahren
Von Peking nach Moskau 8000 km durch Wüste, Steppe und Taiga zurücklegen. Die «Touring»-Leserreise mit dem Zarengold-Zug ist eine Fahrt voller kultureller Schätze, Naturwunder und Lebensfreude.

Die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau scheint auf Europäer eine grosse Faszination auszuüben. Viele Reisende bezeichnen die Bahnfahrt als «lang gehegten Lebenstraum, der nun endlich in Erfüllung geht.» Vielleicht sind es die 7923 km und die bezaubernden Landschaften, die am Fenster vorbeirauschen. Oder einfach die Vorstellung, mit dem Zug auf der längsten Bahnstrecke der Welt von Asien nach Europa zu reisen. Diese Erlebnisreise vermittelt atemberaubende Eindrücke aus drei Kulturen, wunderschöne Naturreiche und viele neue Bekanntschaften. Ausserdem ist die Fahrt mit dem Zarengold-Zug die komfortabelste Art und Weise, die Weite Chinas, der Mongolei und Russlands zu erfahren: Die Zugabteile sind schön verarbeitet und versprühen Zaren-Romantik, das Personal ist sehr freundlich und das Essen ausgezeichnet.

Eine «grüne Wüste»

Die «Touring»- Leserreise führt während 17 Tagen von Peking in die mongolische Hauptstadt Ulan Bator und danach über die russischen Städte Ulan Ude, Irkutsk am Baikalsee, Nowosibirisik, Ekaterinenburg, Kasan nach Moskau. Nach eindrücklichen Tagen in Peking führt der Sonderzug seine Gäste durch die Wüste Gobi, um kurz darauf in die grüne Hügellandschaft und die weiten Steppen der Mongolei einzutauchen. Die Mongolei ist ein riesiges Land, dreimal so gross wie Deutschland. Von den insgesamt 2,7 Mio. Einwohner leben mehr als eine Million in der Hauptstadt Ulan Bator, wo der Zarengold-Zug einen Halt einlegt. Die Stadt wirkt wie ein Flickteppich und jeder Einwohner fügt einen bunten Flick dazu. In den Ausläufern der Stadt reihen sich weisse Jurten neben klapprigen Holzhäuser. Doch rund um das Parlamentsgebäude am Suchbaatar-Platz sind auch einige neue, moderne Glashäuser zu bewundern. An dieser Top-Lage wurde letztes Jahr gar ein Louis-Vuitton-Laden eröffnet. Die Stadt ist im Aufschwung, überall herrscht geschäftiges Treiben. Die Tempelanlagen, wie zum Beispiel die Hallen des Winterpalastes des Bogd Ajan oder das Gandan-Kloster, bilden darin Oasen der Ruhe inmitten des Verkehrs- und Alltagslärms. Nur die gurrenden Tauben sind zu hören. Wie es die Tradition will, gehen die Besucher im Uhrzeigersinn um den Tempel und stossen dabei die Gebetstrommeln an. In diesen befinden sich heilige Schriften, die durch das Drehen in den Himmel gelangen sollen. Wer vor einem wichtigen Lebensabschnitt steht, krank ist oder jemandem helfen will, lässt durch die Mönche die heiligen Schriften rezitieren. Jede Schrift ist für etwas gut. Wer auf den holprigen Strassen aus der Stadt hinaus fährt, sieht am Strassenrand die Nomaden Pilze, Erdbeeren, vergorene Stutenmilch, getrockneten Quark, frittiertes Brot und Käse verkaufen. Dazu gibts gesalzenen Milchtee. Es sind viele Autos unterwegs, vornehmlich Occasionsfahrzeuge aus Japan. Wer hier Auto fährt, muss zugleich auch Mechaniker sein; einen Pannendienst gibt es in der Mongolei nicht. Kaum ausserhalb der Stadt, erhebt sich eine atemberaubende Landschaft ins Blickfeld des Betrachters. Das Gebiet trägt den Namen «mongolische Schweiz», weil die Felsen und Berge hier der Schweizer Landschaft ähneln sollen. Die Wiesen sind von sattem Grün, gesprenkelt mit rosa, gelben und violetten Blüten, soweit das Auge reicht. Unter den Blüten sind zahlreiche Edelweisse zu entdecken. Unzählige Tiere, Pferde, Rinder, Ziegen, und Schafe sind zu sehen. Alle werden früher oder später mal auf dem Teller landen, die Mongolen ernähren sich hauptsächlich von Fleisch. Schliesslich müssen sie auch sehr kalte Winter mit bis zu –40 Grad Celsius überstehen. Im Sommer ist es aber angenehm warm. Die Nomaden ziehen das ganze Jahr hoch zu Ross mit ihren Rinder,- Ziegen- und Pferdeherden über das Land. Reiten kann hier jeder, bereits ab Kindesalter.

Kerzenschein-Romantik

So gross das Land auch ist, die Ströme von Touristen sorgen in der mongolischen Schweiz, 90 Minuten südlich von Ulan Bator, für eine stetig dichtere Besiedelung. Unzählige Touristen-Camps erstrecken sich links und rechts der Strassen. Sogar ein Golfplatz wurde gebaut. Dafür hat nun der Nachbar-Nomade zu wenig Weidefläche für seine Pferde und muss im Winter teures Heu hinzukaufen, wie er anlässlich eines Besuchs in seiner Jurte erzählt. Trotzdem: Die Nomaden profitieren massgeblich vom Tourismus. Viele konnten sich dadurch eine bessere Existenz ermöglichen. Das Touristen-Camp Buuveit in der mongolischen Schweiz ist wunderschön und weckt Pfadfinder-Erinnerungen. Gegessen wird in einer grossen Jurte, geschlafen in kleineren Zweier-Jurten, ohne Strom und fliessend Wasser, dafür mit einer gehörigen Portion Kerzenschein-Romantik. Wanderund Reitausflüge zwischen bizarren Felsformationen über satte Wiesen bieten ein einmaliges Naturerlebnis. Eine schöne Abwechslung zum Alltag im Zarengold-Zug. Sobald der Sonderzug in Richtung Sibirien weiterrollt, verändert sich die Landschaft massgeblich. Die Weiten der Mongolei werden durch die Taiga abgelöst: Sie ist weitgehend flach, es gibt Nadelwälder mit Fichten, Kiefern, Lärchen, aber auch Birken prägen das Landschaftsbild. An der russisch-mongolischen Grenze erfolgen die Grenzmodalitäten, danach wird, ganz zur Freude der Männer, die Lok rangiert.

Zahlreiche Ausflüge

Im gemächlichen Tempo rattert der Zug Richtung Europa. In der südostsibirischen Stadt Ulan Ude sind die Menschen, die Burjaten, noch eher asiatisch. Doch der russische Einschlag ist bereits zu sehen. Dieser wird in den Städten Irkutsk, Nowosibirisik, Ekaterinenburg, Kasan noch viel ausgeprägter. Auf der «Touring»-Leserreise werden auf den weiteren 4400 km nach Moskau zahlreiche Ausflüge mit lokalen Reiseleitern geboten, um Land und Leute kennenzulernen. Der komfortablen Unterbringung zum Trotz: Die Abteile haben keine europäischen Masse. Und das monotone Knattern der Räder ist ein ständiger Begleiter. Aber das gehört eben fast zu einer solchen einzigartigen Zugreise. Ein weiteres Highlight auf dem Weg nach Moskau ist die Schifffahrt auf dem Baikalsee. Wer Lust hat, kann im tiefsten und ältesten Süsswassersee der Erde auch baden. Das abendliche Barbecue lässt Raum für Gespräche mit Mitreisenden, Musik und Tanz und den Besuch in einem echten Kosakendorf. Aber Achtung: Wer Wodka angeboten bekommt, darf nicht kneifen!

Sonderzug für den Staatstross der Sowjetunion

Von Mitte Mai bis Ende September rattern die Zarengold-Züge von Moskau nach Peking und zurück. Zwölf Züge sind während den Sommermonaten unterwegs, je sechs in jede Richtung. Jeder Zug hat maximal 21 Waggons, 15 Reisewaggons für die Gäste, vier Speisewagen, einen Gepäckwagen und einen Personalwagen, insgesamt über 200 Passagiere und 30 bis 35 Mitarbeiter. Die Gäste kommen vornehmlich aus Europa, zunehmend aber auch aus Übersee. Chefreiseleiter Bernd Klaube hat schon 60 Reisen begleitet, und ist immer noch fasziniert vom Mythos Transsibirische Eisenbahn. Während der 17-tägigen Reise unterhält er die Passagiere über das Bordradio täglich mit spannenden historischen Vorträgen über die jeweiligen Orte entlang der Strecke. Als Russland-Kenner ist er natürlich auch vertraut mit der Geschichte der Zarengold-Züge: «Einige Wagen des Sonderzuges sind bis zu 25 Jahre alt und authentische Nachbildungen der Original-Wagen aus dem Jahre 1958. Damals wurden die Waggons auf Wunsch von Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, dem Parteichef und späteren Regierungschef der KPdSU, hergestellt», erzählt er. Regierungsmitglieder des ganzen Staatsapparates Chruscht schows, aber auch der Mitarbeiterstab späterer Regierungsschef wie Breschnew, Gorbatschow, Jelzin und viele Politiker und Intellektuelle liessen sich in diesen Waggons durch Russland kutschieren. Die Regierungschefs reisten allerdings nie im Zug mit.

Gut zu wissen

  • Steckbrief: Erlebnisreise mit dem Sonderzug Zarengold. Die Strecke Peking–Moskau beträgt 7923 km. Die Reise führt durch China, die Mongolei und Russland.
  • Anreise: Ab 11.Februar 2012 fliegt die Swiss täglich von Zürich nach Peking.
  • Temperaturen: In Peking sind im Sommer durchschnittlich 30 Grad, in Ulan Bator 20 Grad und in Moskau 23 Grad warm.
  • Kleidung: Im Zug ist Freizeitkleidung am bequemsten. Eine Wind- und Regenjacke ist Pflicht, genauso wie stabiles Schuhwerk.
  • Geld: Am besten Euros und amerikanische Dollars mitnehmen und diese vor Ort wechseln. Kreditkarten werden in den Städten oft akzeptiert.
  • Infos/Buchungen: Kontiki Saga, Tel. 0562036677, www.reisen-tcs.ch/transsibirien – detaillierte Auschreibung unter "Reiseangebote".
  • Sechs Wochen vor Abreise lädt der TCS zu einem ausführlichen Infoabend ein.

  • Text & Bilder: Nadia Rambaldi

Mongolische Tänzerinnen

Sonderzug "Zarengold"

Mongolischer Reiter und wilde Pferde

Basilius-Kathedrale in Moskau