Das Leben am Mekong
Das Leben am Fluss ist eine tägliche Herausforderung. Als Tourist auf der Luxusbarke «L’Amant» Einblick in die Lebensgewohnheiten der Menschen zu erheischen, ist ein nachhaltiges Ferienerlebnis.
Am Mekong hängen ungezählte Lebensgeschichten. Schicksale mit, oftmals aber auch ohne Happy End. Der Mekong ist unberechenbar, eine tägliche Herausforderung. Als Wasser- und somit Lebensspender für Millionen von Menschen wird der 4500 Kilometer lange Fluss auch gerne als «Mutter aller Flüsse» bezeichnet. Der drittlängste Strom Asiens entspringt in Tibet, fliesst dann durch Myanmar, Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam, bevor er beim heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, ins Südchinesische Meer fliesst.
Markttreiben
Wer auf einem Boot den Mekong flussabwärts fährt, bekommt wechselnde Landschaften zu sehen. Endlose Reisfelder, die zumeist von tiefgebückten Frauen bearbeitet werden. Vereinzelte Häuser, kleine Dörfer liegen verstreut am träge dahin fliessenden Mekong. Planschende Kinder winken scheu lächelnd, Mütter waschen Kleider am Ufer, Hunde liegen dösend an Hausecken im Schatten. Die Zeit scheint stillzustehen. In der sengenden Sonne geht niemand raschen Schrittes, der Fluss bestimmt seit Millionen Jahren einen langsamen, bleischweren Rhythmus. Nicht hektisches, aber aufgeregtes Leben ist morgens auf dem Mekong zu erleben. Der Markt in Chau Doc, einer vietnamesischen Grenzstadt zu Kambodscha, findet natürlich auch auf dem Fluss statt. Die Händler fahren mit ihren schmalen Booten zentimetergenau in die kleinsten Lücken rein. Nebst frischen Früchten und Gemüse werden auch unzählige Hühner und Fische gehandelt. Junge wollige Hunde harren in Holzkäfigen auf neue unbekannte Herrschaften. Wie auf jedem asiatischen Markt warten herrlich duftende, frisch zubereitete Speisen auf hungrige Besucher und die endlosen Ständer voller T-Shirts inklusive des üblichen Souvenir-Kitsches. Blickt man in die lachenden Gesichter der Verkäuferinnen und im Bewusstsein, dass mit dem Erlös eine Vielzahl Mäuler gefüttert werden müssen, kann man ruhig mal die Fünf gerade sein lassen.
«Der Liebhaber»
Ein paar Tage auf einer neu gebauten Edelbarke mit luxuriös ausgestatteten Kabinen und einem französischen Koch bestückt zu verbringen, entspricht uneingeschränktem Genuss. Heisst das 39 Meter lange, in Vietnam gebaute Holzboot mit zwölf Kabinen zudem noch «L’Amant», ist das Lesen des gleichnamigen Romans von Marguerite Duras das Tüpfel chen auf dem i. Die autobiografische Erzählung vom 15-jährigen Mädchen, das auf einer Mekong-Fähre einen 17 Jahre älteren chinesischen Mann kennenlernt und mit ihm in sexuelle Abenteuer stürzt, ist keine klassische Liebesgeschichte, hält aber das anderthalbjährige Abenteuer der Autorin zusammen, bevor sie nach Europa zurückgeht. Hier im Mekong-Delta steht auch das Haus, in dem Duras aufgewachsen ist. Unweigerlich beobachtet man die Häuser am Ufer genauer…
In diesem durch Sedimentation entstandenen Delta fliesst der Mekong mit seinen neun Armen ins Südchinesische Meer. Das Schwemmland, flächenmässig so gross wie Holland, ermöglicht eine dreimalige Reisernte von insgesamt 16 Millionen Tonnen, während im übrigen Vietnam die Reisfelder bloss zweimal geerntet werden können, erzählt ein alter Mann voller Stolz. Fisch, tropische Früchte, Zuckerrohr und Kokosnüsse sind weitere begehrte Produkte auf den Märkten im Delta wie in der nahen Metropole.
Mythos Saigon
Das heutige Ho-Chi-Minh-Stadt hiess bis 1975 Saigon und war gleichzeitig auch Hauptstadt Vietnams. Beide Namen sind geläufig und auf den Strassen zu hören; auch Busse geben ihr Ziel mit Saigon an. Mit mehr als 7 Millionen Einwohnern erwirtschaftet die boomende Metropole am Saigon-Fluss rund 40 Prozent der Einnahmen, die im gesamten Land durch den Tourismus erzielt werden. Das Herz des alten Saigons ist der Lam-Son-Platz mit den legendären Hotels – etwa das Caravelle – den Kinos und der Oper. Den Nimbus als «Paradies des Ostens» verdankt Saigon aber seinem legendären Boulevard Dong Khoi, auf dem Touristen wie Müssiggänger in eleganten Läden dem Shopping frönen.
Kambodscha: Viel Licht, auch Wehmut
Angkor, die grösste Tempelanlage der Welt nahe der Stadt Siem Reap, zieht jährlich Millionen von Touristen nach Kambodscha. Dieses verwitterte Relikt einer verblichenen Hochkultur, ähnlich mystisch wie die Ausgrabungen von Machu Picchu in Peru, zwingen Besucher, in andern Zeitdimensionen zu denken. Angkor Wat, die berühmteste aller Anlagen, ist nicht nur x-millionenfach auf Digitalfotos verewigt, hier wurden auch Sequenzen des Film «Tomb Raider », in dem Angelina Jolie die Lara Croft spielte, gedreht.
Nicht denselben Bekanntheitsgrad, aber einen äusserst hohen gesellschaftlichen Stellenwert geniesst der Schweizer Kinderarzt Dr. Beat Richner im Lande. Die Kinderspitäler Kantha Bopha I und II wie das Präventions- und Gesundheitszentrum Jayavarman VII in Siem Reap, nahe Angkor, sind die Leuchttürme seines humanitären Wirkens. In den Spitälern hilft der Zürcher Kinderarzt, der auch als Musikclown Beatocello Spenden zusammenspielt, einem Bruchteil der ärmsten der armen Kinder, die im Drittweltland sonst nie und nimmer zu medizinischer Versorgung kämen.
Gut 30 Jahre nach der fürchterlichen Terrorherrschaft der Roten Khmer registriert der Besucher erfreut, wie offen mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte umgegangen wird. Die Augen nicht verschliessen, darüber sprechen, hilft auch hier. Wer den Nerv hat, kann auch das berühmt-berüchtigte Gefängnis S 21 besichtigen, in dem die Folterknechte Pol Pots gewirkt haben. Obwohl es noch an vielem mangelt, ist in Kambodscha Aufbruchstimmung zu spüren. Die hilfsbereiten Menschen sind bienenfleissig. Es wird gebaut, es entstehen Infrastrukturen – dieses Land zu besuchen bereichert jeden.
Gut zu wissen
Klima: Vietnam ist ein langes Land mit mehr als 1000 km Distanz von Nord bis Süd mit verschiedenen Klimazonen. Kleidungsmässig ist das Zwiebelsystem von T-Shirt, Pullover bis zur Regenjacke empfehlenswert. Einreise: Schweizer Bürger benötigen einen Reisepass, der sechs Monate über das Rückreisedatum hinaus gültig ist. Gesundheit: Malaria-Prophylaxe empfohlen (www.safetravel.ch) Infos: «Reisen TCS & Kuoni Special Tours», Telefon 0844888333, und www.reisen-tcs.ch.
Reiseangebote
- Vietnam Preishit
- Triangle d'or, Laos (fr)

